Junge Menschen sind nicht unpolitisch

Fabian Müller: Während wir dieses Interview führen (März 2022) erreichen die Corona-Zahlen gerade neue Rekordwerte. Gleichzeitig sollen fast alle Corona-Maßnahmen abgeschafft werden. Die Ausgabe der Zeitschrift, in der dieses Interview erscheinen wird, versucht einen Rückblick auf die Pandemie-Zeit. Was verbindest du spontan mit dieser Idee?

Dario Schramm: Das ist natürlich eine schwierige Geschichte, man hat den Eindruck, die Pandemie kommt an ein Ende, aber eigentlich sind wir ja noch mittendrin, weil wir noch immens hohe Zahlen haben. Ich verbinde mit dieser Perspektive, dass wir jetzt auch wieder schauen müssen, wie wir demokratiefördernde Angebote für junge Menschen voranbringen können, gerade in einer Zeit, in der aus meiner Sicht vieles auch einfach auf der Strecke geblieben ist.

Fabian Müller: Was wäre das zum Beispiel?

Dario Schramm: Ganz direkt fallen mir z. B. die Parlamentssimulationen in Planspielen ein, in denen Jugendliche mehrere Tage eindrückliche Erfahrungen sammeln können. Aber auch allgemein sind viele Angebote politischer Bildung wegen Corona über Jahre komplett weggefallen oder wurden nur online angeboten, obwohl das bei den Themen Demokratie, Politik usw. ungemein schwer umsetzbar ist.

Fabian Müller: Du wurdest bundesweit bekannt, weil du als Vertreter deiner Generation öffentlich den Finger in die Wunde gelegt hast und gehörst zu einem der sogenannten „Pandemie-Jahrgänge“ – Wie würdest du umreißen, was diese Jahrgänge in der Phase vor dem Abitur erlebt haben bzw. auch, was du selbst erlebt hast?

Dario Schramm: Ich glaube, dass viele sehr mit Unsicherheiten zu kämpfen hatten, dazu gehöre ich auch. Die letzten zwei Jahre waren geprägt von Grundsatzdebatten, z. B. ob die Abschlussprüfungen überhaupt stattfinden, wie sie stattfinden etc., Unsicherheit war der stetige Begleiter. Man wusste oft bis zum letzten Moment nicht, was auf einen zukommt. Ich möchte aber auch das Positive betonen, das ist mir immer wichtig. Viele Menschen um mich herum sind sehr schnell deutlich selbstständiger, erwachsener, reifer geworden.

Fabian Müller: Was hat dich denn dazu bewogen, parallel zum Abitur noch ein Buch zu schreiben?

Dario Schramm: Das Buch „Die Vernachlässigten. Generation Corona: Wie uns Schule und Politik im Stich lassen“ ist kurz nach dem Abi entstanden und ich habe lange überlegt, ob ich es machen soll. Ich will ja nicht wie ein Professor rüberkommen, der jetzt mit 21 Jahren meint, er könnte das komplette Bildungssystem verändern. Zu dem Zeitpunkt hatte ich einige Interviews gegeben und an Paneldiskussionen zum Thema teilgenommen, aber das war immer sehr verkürzt. Ich habe gemerkt, dass man manche Gedanken und Argumente einfach länger ausführen muss als die wenigen Minuten, die man z.B. in einem…

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Im Interview

Dario Schramm, 21 Jahre, war bis Herbst 2021 Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz und somit Deutschlands oberster Schülersprecher. In dieser Funktion vertrat er während der Pandemie in zahlreichen Talkrunden und Interviews die Position der Schülerinnen und Schüler in der Öffentlichkeit. Er studiert in Frankfurt/Oder Recht und Politik. 

Im Februar 2022 veröffentlichte er bei Droemer Knaur das Buch „Die Vernachlässigten. Generation Corona: Wie uns Schule und Politik im Stich lassen.“

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