Politisch. Ich?

Das Leben ist politisch. Wir Menschen werden in politische Systeme hineingeboren, die unmittelbar Einfluss auf unser Dasein haben. Unsere medizinische Versorgung vom ersten Lebenstag an, unser Zugang zum Bildungssystem, die uns zur Verfügung stehenden Produkte im Supermarkt, bis hin zur Frage, ob wir unsere gleichgeschlechtliche Partnerin heiraten dürfen oder nicht – das alles wird politisch ausgehandelt. Doch oftmals erlebt sich nur ein Bruchteil der Gesellschaft als aktiv politisch. Das mag darin liegen, dass die meisten unter „Politik“ allein die institutionalisierte Politik verstehen, wie sie sich in Parteien, Parlamenten und Verwaltungen vollzieht. Doch selbst wenn wir von einem erweiterten Politikbegriff ausgehen, der gesamtgesellschaftliches Handeln umfasst und nicht nur auf das Handeln staatlicher Institutionen fokussiert ist, bezeichnen sich viele Menschen eher als unpolitisch. Sie setzen sich nicht in Bezug zu ihrer Umwelt, nehmen sich nicht als Teil der Gesellschaft wahr. Ihnen fehlt das Gefühl gesellschaftlicher Selbstwirksamkeit.


In einer Demokratie hat dies weitreichende Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn:
  • Wer sich nicht in Bezug setzt, reflektiert nicht, dass sein eigenes Handeln immer auch Auswirkungen auf einen größeren Zusammenhang hat.
  • Wer sich nicht als Teil der Gesellschaft wahrnimmt, kann leicht davon ausgehen, den gesellschaftlichen Lauf der Dinge nicht beeinflussen zu können. Mögliche Folge ist ein Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins.
  • Wer sich nicht als eingebunden in den gesellschaftlichen Kontext erlebt, erkennt die eigene Verantwortung nicht und kann sie infolgedessen auch nicht mittragen oder gar gestalten.

Viele Faktoren spielen eine Rolle dafür, dass Menschen so sind, wie sie sind. Auch die Entwicklung politischer Urteilsfähigkeit und die Kompetenzen, politisch zu handeln, unterliegen vielfältigen Einflüssen. Die Sozialisationsinstanzen Elternhaus, frühkindliche Betreuung und Schule, Peergroups, Massenmedien und schließlich der Beruf sind von zentraler Bedeutung für die eigene Verortung in der Gesellschaft. Ebenso prägend ist das politische System, in dem sich der Mensch entwickelt. Denn es beeinflusst die Form der Kinderbetreuung, die zentralen Inhalte von Schulbüchern, die Zugänge zu Medien und die Systeme der sozialen Sicherung.


Wendepunkte in der Geschichte werden individuell erlebt



Die heutige Gesellschaft der Bundesrepublik ist geprägt von den Erfahrungen aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts: der nationalsozialistischen Diktatur, dem Kalten Krieg, in der ehemaligen DDR durch das Leben in einer…

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Die Autorin

Anna Hoff ist politische Bildnerin, Systemische Beraterin und Ehe-, Familien- und Lebensberaterin (in Ausbildung). Sie war Referentin bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Politische Biografiearbeit, nachhaltige Globalisierung und Genderpolitik sind Ihre Arbeitsschwerpunkte als freie Moderatorin. www.annahoff.com

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