Jung. Engagiert. Bedroht?

Nicht nur Politiker*innen, sondern auch ehrenamtlich engagierte Jugendliche sind von Hate Speech im Netz betroffen. Im Projekt „Jung. Engagiert. Bedroht? – Hass im Netz geht uns alle an!“ wirken das Adolf-Bender-Zentrum e. V. und die Landeschülervertretung des Saarlandes darauf hin, diese Problematik sichtbar zu machen, beide Gruppen in Dialog zu bringen und Handlungsstrategien zum Umgang mit Hate Speech zu entwickeln. Über die Ausganglage, die Projektidee und erste Eindrücke des bisherigen Projektverlaufes.

„Ich schick dich ins Arbeitslager!“ 
„Das ist dein Ende!“ 
„Wir ziehen dich vor Gericht!“ 
 Hasspostings, die Dario Schramm erhalten hat.


Schülerinnen und Schüler gehörten bislang zu den Hauptleidtragenden der Corona-Maßnahmen. Einer ihrer wichtigsten Interessensvertreter war in den letzten Jahren der gewählte Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz Dario Schramm. Während der Schulschließungen und der Corona-bedingten Einschränkungen wurde er häufig von Medien um Einschätzungen und Stellungnahmen zu den Auswirkungen der Pandemie auf Jugendliche und die Position der Schülerschaft gebeten. Das Resultat? Hasskommentare im Netz, Bedrohungen wie oben zitiert, Veröffentlichung seiner privaten Kontaktdaten in Telegram-Gruppen von Querdenkern. Einen ersten Eindruck bietet u. a. eine Reportage von Spiegel.tv (vgl. Der Spiegel 2021).

Hate Speech als Alltagsproblem  mit Konsequenzen
Von Hate Speech („Hassrede“) spricht man, wenn Menschen abgewertet, angegriffen oder wenn zu Hass und Gewalt gegen sie aufgerufen wird (vgl. Bundeszentrale politische Bildung 2017). 39 % der Befragten einer aktuellen Forsa-Befragung zu Hate Speech geben an, dass ihnen Hate Speech bereits häufig oder sehr häufig im Internet begegnet ist. Mittlerweile gibt es in der jungen Generation kaum noch Menschen, die nicht mit Hate Speech in Kontakt gekommen sind. Mit 58 % gaben deutlich mehr als die Hälfte der 14- bis 25-Jährigen an, Hate Speech sogar (sehr) häufig im Internet wahrzunehmen (vgl. Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen 2021). 

Hate Speech hat Konsequenzen. So konnte eine Studie in Hessen belegen, dass Internetnutzer*innen aufgrund von Hate Speech teilweise seltener ihre Meinung äußern oder sich an Diskussionen im Netz beteiligen bzw. im schlimmsten Fall auch aus Onlinediskussionen vertrieben werden (vgl. Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft 2018). Dies ist in Bezug auf Meinungsbildungsprozesse in der Demokratie als äußerst problematisch anzusehen.

Politikerinnen und Politiker unter Beschuss
In den letzten Jahren werden Politiker*innen aller im Bundestag vertretenen Parteien – online wie offline – zunehmend…

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Die Autoren

Fabian Müller, M. Ed., päd.-wissenschaftl. Mitarbeiter, Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, Koordinierungs- und Fachstelle der „Partnerschaft für Demokratie“ des Saarpfalz-Kreises.

Lennart-Elias Seimetz, Schüler, komm. Landesschülersprecher und Vorsitzender der Landesschülervertretung des Saarlandes.

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