Muslimisches Leben in Deutschland 2020

In Deutschland leben nach einer Studie des Forschungszentrums Migration, Integration und Asyl des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz zwischen 5,3 und 5,6 Millionen muslimische Religionsangehörige mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt zwischen 6,4 % und 6,7 %.

In einer repräsentativen Befragung wurden mehr als 4.500 Interviews durchgeführt und Daten zu über 14.000 in den betreffenden Haushalten lebenden Personen mit Migrationshintergrund zusammengetragen. Diese Daten bilden die Grundlage für die Hochrechnung der Anzahl von Menschen mit muslimischer Religionszugehörigkeit aus muslimisch geprägten Herkunftsländern. Menschen ohne Migrationshintergrund, die zum Islam konvertiert sind, konnten bei den Hochrechnungen nicht berücksichtigt werden, da entsprechende Daten in der Befragung nicht erhoben werden konnten.

Im Vergleich zu einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2015 ist diese Bevölkerungsgruppe größer geworden, ihr Anteil an der Bevölkerung ist gewachsen. Gleichzeitig ist sie nach Herkunftsländern – insgesamt werden 23 Herkunftsländer genannt – vielfältiger und pluraler geworden. Der größte Teil dieser Gruppe stammt aus der Türkei (45 %), jeweils ca. 19 % aus Südosteuropa oder dem Nahen Osten, 9 % aus dem Mittleren Osten und ca. 8 % aus Nordafrika.

Insgesamt 47 % dieser Bevölkerungsgruppe besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren beträgt dieser Anteil 68 %. Etwa 82 % dieser Gruppe geben an, stark oder eher gläubig zu sein. Bei Personen ohne Migrationshintergrund beträgt dieser Anteil lediglich ca. 55 %. Bemerkenswert ist jedoch, dass 35 % der Befragten angeben, niemals eine religiöse Veranstaltung zu besuchen. Ca. 30 % der Musliminnen tragen ein Kopftuch.

Bei Daten zu Bildung und Integration zeigt sich, dass unabhängig von der Zuwanderungsgeneration das schulische Bildungsniveau von Personen mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Herkunftsländern tendenziell schlechter ist als das von Personen ohne Migrationshintergrund. Weiter ist ein Großteil der Muslim*innen, die angeben, einem Verein anzugehören, Mitglied in einem deutschen Verein. Zudem wird in der Studie festgehalten, dass der Einfluss der Religion auf die Integration dieser Bevölkerungsgruppe häufig überschätzt wird.

Zitation:
Waldmann, Klaus (2021). Muslimisches Leben in Deutschland 2020, Journal für politische Bildung 3/2021, 57.

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