Die sozial-ökologische Transformation

Der Artikel beschreibt die Herausforderungen der sozial-ökologischen Transformation aus der Sicht von Arbeitnehmenden und das Dilemma zwischen ökologischem Bewusstsein und dem Erhalt des sozialen Status. Er skizziert exemplarisch die Rolle von Gewerkschaften und die Aufgabe von gewerkschaftspolitischer Jugend- und Erwachsenenbildung als Bestandteil einer gesellschaftlichen Diskussion wie wir zukünftig leben und arbeiten wollen.

„There are no jobs on a dead planet.“

Dieser Satz stammt von Judy Bonds. Sie war Arbeiterin und Umweltaktivistin, die für ihr Engagement vielfach angefeindet wurde. Er wurde inzwischen vielfach aufgegriffen, nicht zuletzt von Gewerkschaften.

„Fuck you, Greta“ 

Diese Aussage gibt es auf Aufklebern zu lesen, wie auch auf einem SUV, der vor einem gewerkschaftlichen Bildungszentrum abgestellt war. Sie bezeichnet eine nicht selten anzutreffende Haltung gegenüber engagierten Umweltschützer*innen. Sie drückt damit nicht nur das Missfallen über den ‚Hype‘ um die Fridays for Future Bewegung aus, sondern diese Bewegung wird als Bedrohung des erreichten Lebensstils wahrgenommen. Der versprochene Aufstieg durch harte Arbeit sowie das Versprechen auf ein ‚gutes Leben‘ gerät in Gefahr. Die mit der sozial-ökologischen Transformation einhergehenden Diskussionen und Veränderungen lösen große Ängste und Sorgen bei den abhängig beschäftigten Menschen aus. 

Den Menschen ist bewusst, dass der Status Quo nicht bestehen bleiben kann. Gleichzeitig wollen sie daran festhalten. Engagierte Umwelt­schützer*innen sind als Überbringer*innen der schlechten Nachricht das Ziel der Wut über den drohenden Verlust an Sicherheit und Status. Die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat in ihrer Umfrage als Bedrohung für das Land den Rechtsextremismus, den Klimawandel und die soziale Spaltung als die drei wichtigsten Herausforderungen beschrieben (vgl. Schröter 2021: 27). Bei den Befragten mit geringem Einkommen war die soziale Spaltung die wichtigste Bedrohung. Die Befürchtung der Menschen, im Sog der permanenten Veränderungsprozesse am Ende sozial noch schlechter gestellt zu sein, führt auch dazu, alternativen Erklärungsmodellen Glauben zu schenken. Auch Gewerkschaftsmitglieder sind nicht gefeit vor alternativen Fakten, Verschwörungserzählungen oder der Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Ein anderer Abwehrmechanismus ist der unkritische Glaube an die Technik. Zu gern wird die neoliberale Erzählung geglaubt, dass eine technische Innovation die Klimakatastrophe verhindern wird, um am eigenen Lebensstil nichts verändern zu müssen.

Rolle der Gewerkschaften
In diesem Dilemma zwischen Festhalten am Status Quo und der Erkenntnis, dass nur Veränderung eine nachhaltige Lebensform sichert, könnten Gewerkschaften ein Garant dafür sein, dass die Umgestaltung unserer…

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Der Autor

Andreas Michelbrink ist Geschäftsführer von ver.di, Gewerkschaftspolitische Bildung gGmbH.

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