Welche Solidarität mit wem?
Unterstützungsbeziehungen politischer Bildung in der Auseinandersetzung mit rechts
In Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus ist der Appell an eine
solidarische oder gar solidarisierende politische Bildung allgegenwärtig:
Nicht nur Politiker*innen schreiben der politischen Bildung hohe Potenziale zu, um für die Folgen und Auswirkungen von Polarisierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) zu sensibilisieren. Es ist auch der Anspruch der Profession selbst, Solidarität in bildnerischer Praxis erfahrbar und vermittelbar zu machen.
Der Blick in die Praxis politischer Bildung in der Auseinandersetzung mit ‚rechts‘ zeigt, dass weder die Verwendung des Begriffs noch professionspraktische Bezüge auf Solidarität gefestigt sind. Der folgende Beitrag stellt diese teils widersprüchliche Beziehung dar und skizziert Möglichkeiten, wie über die Rolle von Solidarität für die Profession nachgedacht werden kann. Hierfür folgt zunächst eine Klärung, in welchem Verhältnis Politische Bildung zu Formen politischer und sozialintegrativer Solidarität steht. Anschließend wird dargestellt, welche Denkrichtungen sich aus einem erweiterten Verständnis von Solidarität als Unterstützungsbeziehung ergeben. Hierfür werden Interviewausschnitte herangezogen, die im Rahmen einer größeren Erhebung für eine Dissertation zum Thema Solidarität als Herausforderung non-formaler politischer Erwachsenenbildung in der Auseinandersetzung mit rechts in den Jahren 2021–22 in Baden-Württemberg und Sachsen erhoben wurden. Diese Interviews wurden mit insgesamt 25 Praktiker*innen der politischen Bildung geführt. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren sie bei größeren gewerkschaftlichen, kirchlichen, freien und staatlichen Trägern der politischen Bildung auf verschiedenen Verantwortungsebenen tätig. Sie arbeiteten mit einem thematischen Fokus auf Rechts, insbesondere Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und extreme rechte Akteure.
Das Verhältnis politischer Bildung
zur Solidarität
Solidarität kann als Kernbegriff politischer Bildung verstanden werden. Sowohl Hermann Giesekes Konzeption von Solidarität als Bildungsziel (1974) als auch Wolfgang Klafkis Verständnis von einer „Solidaritätsfähigkeit“ (1971) sind dabei eng an einen herrschaftskritischen Bildungsbegriff und ein politisches Solidaritätsverständnis geknüpft.
Gieseke (1974: 168) sieht Solidarität als Bildungsziel verwirklicht, wenn Personen ihre subjektiven Interessen mittels „kollektiver Vertretung bzw. Organisation“ erarbeiten, ermitteln und umsetzen können. Demgegenüber versteht Klafki unter Solidaritätsfähigkeit, für die Rechte anderer sensibilisiert zu sein und sich für deren Realisierung einzusetzen, wenn ihre „Selbst- und Mitbestimmungsmöglichkeiten aufgrund von Unterdrückungen vorenthalten oder begrenzt werden“ (Klafki 1998: o. S.). Politische Bildung folgt demnach einem gesellschaftspolitischen und emanzipatorischen…
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Die Autorin
Sylvia Harder ist Politikwissenschaftlerin mit einem Hintergrund in Konfliktforschung. Sie ist als freie politische Bildnerin tätig und arbeitet an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg zu Solidarität in der non-formalen politischen Erwachsenenbildung sowie Politischer Bildung in der Bundeswehr.