Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Politische Bildung in der Sozialen Arbeit?

Anmerkungen zu einem aktuellen interdisziplinären Diskurs

Politische Bildung wird in unterschiedlichen Disziplinen zum Gegenstand gemacht, beispielsweise in den Sozialwissenschaften (z. B. Politikdidaktik, Didaktik der Sozialwissenschaften) oder Erziehungswissenschaften (z. B. Demokratiepädagogik, politische Jugend- und Erwachsenenbildung). Die Soziale Arbeit ist eine weitere Disziplin, die sich vor allem in jüngster Zeit verstärkt mit diesem Thema beschäftigt, wie sich an der deutlichen Zunahme von Fachpublikationen ablesen lässt. Die Gründe hierfür sind vielfältig: menschen- und demokra­tiefeindliche Bewegungen in der Gesellschaft, bildungspolitische Programme wie „Demokratie leben!“, die darauf antworten wollen, oder der 16. Kinder- und Jugendbericht, der die „Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter“ fokussiert. Im vergangenen Jahr wurde gleich auf zwei Fachtagungen („Von der Krise zur Innovation“ an der Katholischen Hochschule Köln sowie „Soziale Arbeit als Ort der Politischen Bildung“ an der TH Köln) über das Begriffsverständnis von politischer Bildung und Sozialer Arbeit bzw. ihrem Verhältnis zueinander verhandelt.

In der Gesamtschau wird ein interdisziplinärer Diskurs deutlich, in dem politische Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird. Dabei wird einerseits eine Annäherung sichtbar, andererseits müssen verschiedene Vorstellungen in Einklang gebracht werden. Im Spiegel unterschiedlicher Fachtraditionen, theoretischer Begründungen, Begriffsverständnisse usw. scheinen erhebliche Differenzen zu bestehen – eine unterkomplexe Wahrnehmung des jeweils anderen Fachbereichs eingeschlossen. Eine Vermutung ist, dass Soziale Arbeit aus der Außensicht nicht in ihrer Breite erfasst wird und beispielsweise auf die Arbeit mit armutsbetroffenen Menschen oder auf Jugend- oder Jugendsozialarbeit reduziert wird, ohne dass die fachimmanenten Diskurse zu (politischer) Bildung zur Kenntnis genommen werden. Dabei wurden gerade in den vergangenen Jahren neue Handlungs- und Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit als Orte politischer Bildung erschlossen (bspw. Gemeinwesenarbeit, Sozialraumorientierung, aufsuchende Jugendarbeit), wie in der Neuauflage des Handbuchs kritische politische Bildung deutlich wird (Chehata et al. 2024).

Die beiden Begriffe „Politische Bildung“ und „Soziale Arbeit“ werden in der jeweils eigenen Perspektive in spezifischer Weise interpretiert und in Beziehung gesetzt (z. B. Politische Bildung und Soziale Arbeit, Politische Bildung in der Sozialen Arbeit). Während von der Sozialen Arbeit ausgehende Perspektiven die eigene Disziplin eher als Ort politischer Bildung begreifen – sei es als Querschnittsaufgabe oder mit Blick auf die außerschulische politische Bildung als Teil von Kinder- und Jugendarbeit – tendieren andere Disziplinen eher dazu, Soziale Arbeit und politische Bildung als zwei voneinander getrennte Dinge zu betrachten, die es zusammenzubringen gilt. Die…

Weiterlesen mit JOURNAL+

Lesen Sie diesen und alle weiteren Beiträge aus dem Journal für politische Bildung im günstigen Abonnement.
Mit Ihrem Abonnement erhalten Sie die vier gedruckten Journal-Ausgaben im Jahr sowie vollen Zugriff auf alle Journal+ Beiträge des Online-Angebots.
Jetzt abonnieren
Sie haben das Journal für politische Bildung bereits abonniert?
Jetzt anmelden

Die Autoren

Michael Görtler ist Professor für Theorien und Geschichte der Sozialen Arbeit an der OTH Regensburg.

Martin Nugel ist Professor für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Nürnberg.

Stefan Schäfer ist Lehrkraft für besondere Aufgaben für das Lehrgebiet Soziale Arbeit an der katho Köln.