Politische Bildung in der Klimabewegung

Die Klimabewegung hat in den letzten Jahren die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Klimakrise gelenkt und eine adäquate Politik eingefordert. Zugleich geht eine solche soziale Bewegung mit zahlreichen Bildungsprozessen einher. Selbstorganisierte Bildung sowie informelle Bildungs- und Lernprozesse finden statt, während Menschen sich politisch engagieren. Welche Rolle spielt Bildung in der Klimabewegung und welche Anknüpfungspunkte ergeben sich daraus für die (außerschulische) politische Bildung?


Mit den von Greta Thunberg inspirierten Schul­streiks entstand 2019 eine große Dynamik in der Klima­(gerechtigkeits)bewegung. Ich spreche von Klima(gerechtigkeits)bewegung um zu markieren, dass verschiedene Akteure unterschiedlich stark auch auf Gerechtigkeits­aspekte im Zusammenhang mit der Klimakrise eingehen und unterschiedliche Selbstbezeichnungen gewählt werden. Millionen Menschen waren weltweit auf der Straße, allein in Deutschland nahmen an der größten Demonstration etwa 1,4 Millionen Menschen teil, hunderte Ortsgruppen von Fridays for Future gründeten sich innerhalb kürzester Zeit, tausende Menschen beteiligten sich an Aktionen zivilen Ungehorsams von Ende Gelände und die Klimakrise wurde in einer breiten Öffentlichkeit als das drängendste Problem betrachtet (vgl. Forschungsgruppe Wahlen 2020). Die Anfänge der Bewegung reichen dabei deutlich weiter zurück, und auch wenn es inzwischen etwas ruhiger um sie geworden ist, besteht sie weiterhin fort.

Soziale Bewegungen zielen auf die Beseitigung eines Missstandes und die Veränderung von Gesellschaft. Zugleich ist „die Aktivität in und von sozialen Bewegungen [...] untrennbar mit Bildungsprozessen verbunden“ (Miethe/Roth 2016: 20). In der Klima(gerechtigkeits)bewegung wird Bildung selbst zum Thema. So provozieren insbesondere die Schulstreiks von Fridays for Future Debatten um die Legitimität dieser Aktionsform – und damit auch über das Verhältnis von politischem Handeln und (Schul)bildung. Fridays for Future beruft sich auf die Wissenschaft, um ihr Handeln zu legitimieren, und kritisiert die Diskrepanz zwischen verfügbarem Wissen und gesellschaftlichem Handeln. Wissen ist also durchaus Ausgangspunkt für das eigene Engagement. Zugleich erweitert und vertieft sich das Wissen von Menschen, die sich politisch einbringen. Und so war Bildung von Beginn an auch Teil der Bemühungen der Klima(gerechtigkeits)bewegung selbst.

Selbstorganisierte politische Bildungspraxis
Eine zentrale Rolle spielen beispielsweise die Klimacamps, die seit 2010 jährlich in den Braunkohlerevieren stattfinden. Die Klimacamps verbinden Bildung, Aktionen, Vernetzung und Alternativen, und in allen diesen vier Bereichen finden Bildungsprozesse statt.

Im Bereich der Bildung finden…

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Die Autorin

Julia Lingenfelder, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehr- und Forschungsbereich Politikwissenschaft, Bildungspolitik und politische Bildung an der Universität zu Köln. Sie arbeitet an einer Promotion zum Thema Transformative Bildung im Sinne politischer Bildung zur sozial-ökologischen Transformation.

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