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Lernen und Bildung in Begegnungsräumen

Rainald Manthe: Demokratie fehlt Begegnung. Über Alltagsorte des sozialen Zusammenhalts. Bielefeld (transcript Verlag) 2025, 154 S., 24 €

In der Beantwortung der Frage, wo liberale und rechtsstaatliche Demokratie gelernt, eingeübt und gelebt werden kann, zielen die Antworten und Hinweise meist auf die demokratischen Parteien, den Nahraum der Kommunen und die Schulen. Dann wird auf weitere pädagogische Einrichtungen und Institutionen wie Kindertagesstätten, die Jugendarbeit, die Vielfalt zivilgesellschaftlicher Organisationen und Verbände sowie NGOs verwiesen; und natürlich explizit auf das Feld der Politischen Bildung mit ihren Trägern und Einrichtungen.

Diesen Blick auf die formale und non-formale Bildungswelt ergänzt und erweitert Manthe in seinem schmalen Band, indem er Alltagsorte als Orte der alltäglichen Begegnung vor allem im analogen und auch im digitalen Raum beschreibt, „an denen verschiedene Menschen miteinander auskommen, sprechen, tun, ohne große Hürden überwinden zu müssen“ (8). Damit meint er in einer großen Auflistung „unzählige“ (18), „einfache und barrierefreie“ (21) soziale Orte der Begegnung in denen man ins Gespräch kommen kann. Dazu zählen u. a. der Sport- und Gesangverein, die Feuerwehr, die Nachbarschaft, aber auch Kneipen, Kaffeeküchen und Kantinen, Gärten, Kioske, Parks, Schwimmbäder, Cafés, der öffentliche Nahverkehr, Fitnessstudios, Dorf-/Stadtteilfeste, Buchläden, das Stehen in Warteschlangen, Bibliotheken und Museen oder auch beim Friseur. Zu den Begegnungsorten zählen insbesondere auch Demonstrationen, Kundgebungen und Streiks als Orte mit positiven Erfahrungen und politischer Meinungsbildung, die mit Engagement, Partizipation und Zugehörigkeit verbunden sind.

Diese sozialen Orte werden mit den Dimensionen „Demokratie, Vertrauen und Zusammenhalt“ systematisch reflektiert. Abwägend und zugleich engagiert plädiert und wirbt Manthe mit Blick auf empirische Studien und Diagnosen gesellschaftlicher Entwicklung wie Vertrauenskrisen und Polarisierungen, für soziale „Infrastrukturen des Demokratischen“ (36). In der Differenzierung des Bildungssystems gehören diese, regional und sozial-räumlich ungleich verteilten Begegnungsorte zu den informellen bzw. en passant und selbstgestalteten Bildungsgelegenheiten/-möglichkeiten. Ohne die Vielfalt solcher Begegnungsorte und kommunikativen Möglichkeiten in sozialen und öffentlichen Räumen, gibt es „keine Bindungen zwischen Menschen und ohne zivile Infrastruktur [gibt es] keine Begegnung untereinander“ (39). Mit mehreren Beispielen und Beobachtungen skizziert der Autor, wie Begegnungsorte genutzt werden. Das gilt für Parks, Schwimmbäder, Bibliotheken, ÖPNV, Straßen und Plätze die von Menschen besucht und genutzt werden, wo sie sich zufällig treffen und wahrnehmen, aufeinander achten, die Regeln einhalten und miteinander auskommen müssen. Dann differenziert Manthe unterschiedliche Intensitäten der…

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Der Rezensent

Benno Hafeneger lehrte und forscht an der Philipps-Universität Marburg zu Jugend und außerschulischer ­Jugendbildung und ist Mitglied der Journal-Redaktion.