Im Kern gemeinsam
Barbara Menke über Solidarität in der politischen Bildung im Wandel der Zeit
Journal: Diese Ausgabe beschäftigt sich mit Solidarität und Empowerment in der politischen Bildung. Vor dem Hintergrund Ihrer langjährigen Erfahrungen in unterschiedlichen Funktionen und Kontexten interessiert uns daher besonders: Welche Entwicklungen und Veränderungen solidarischer Praxen und Verständnisse innerhalb der politischen Bildung haben Sie in den vergangenen Jahrzehnten wahrgenommen? Dies vor allem mit Blick auf politischen Bildner*innen, Träger, Verbände und Zusammenschlüsse selbst. Wenn Sie auf Ihre Berufs- und Ehrenamtsbiografie zurückschauen: Was hat sich aus Ihrer Sicht im Laufe der Zeit verändert?
Barbara Menke: Aus meiner Sicht stand und steht die außerschulische politische Bildung immer vor Herausforderungen; das ist kein neues Phänomen. Diese Herausforderungen beziehen sich zum einen auf den fachlichen Bereich politischer Bildung: also auf die Aufgabe, auf aktuelle gesellschaftspolitische Fragen und Entwicklungen zu reagieren, entsprechende Angebote zu machen oder gesellschaftliche Entwicklungen auch aktiv mitzugestalten. Das war und ist aus meiner Sicht eine zentrale Aufgabe außerschulischer politischer Bildung.
Die zweite Facette, die für die außerschulische politische Bildung ebenso konstitutiv ist, betrifft die Frage der Förderung. Neben den fachlichen Herausforderungen ging und geht es immer auch darum, staatliche Förderung zu sichern, zu erhalten oder im besten Fall auszubauen, um neue Aufgaben überhaupt erfüllen zu können.
Beide Bereiche prägen die politische Bildung bis heute sehr stark. Daraus ergibt sich aus meiner Sicht auch ein dauerhaftes Spannungsverhältnis zwischen Kooperation und Konkurrenz innerhalb der Community politischer Bildung. In fachlichen Fragen erlebe ich häufig solidarische oder zumindest andere Positionen akzeptierendes Miteinander. Beim Akquirieren von Fördermitteln gibt es dagegen durchaus Konkurrenzsituationen. Diese sind stark davon geprägt, unter welchen Bedingungen die jeweiligen Träger arbeiten. Einrichtungen, die beispielsweise über gute Weiterbildungsförderungen der Länder verfügen oder Zuschüsse ihrer Träger erhalten, haben andere Voraussetzungen als Organisationen, die diese Absicherungen nicht haben. Aus diesen unterschiedlichen Finanzierungsstrukturen können eben solche Konkurrenzverhältnisse entstehen.
Unterm Strich würde ich aber sagen: Im fachlichen Austausch sehe ich häufig ein gemeinsames An-einem-Strang-Ziehen. Und mit Blick Ressourcen muss man vielleicht auch sagen: Wir sind nicht Konkurrent*innen, sondern häufig schlicht Mitbewerber*innen bei Ausschreibungen.
JOURNAL: Würden Sie sagen, dass sich dieses Spannungsverhältnis verändert hat, wenn Sie auf die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte zurückblicken?
Menke: Ja, ich würde schon sagen, dass sich diese Spannungsverhältnisse verändert und teilweise auch…
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Die Interviewte
Barbara Menke ist seit 2011 Bundesgeschäftsführerin der Bildungsorganisation Arbeit und Leben. Mit 14 Landesorganisationen und rund 120 Kreis- und Ortsorganisationen ist die Weiterbildungsorganisation bundesweit vertreten. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen insbesondere die politische und allgemeine Bildung. Seit 2008 engagiert Barbara Menke sich im Bundesausschuss Politische Bildung (bap) e. V., zunächst in der Arbeitsgruppe „Grundfragen der politischen Bildung“. Von 2015 bis 2021 war sie Vorsitzende des bap. Ihre fachlichen Schwerpunkte sind neben der Projektentwicklung Grundsatzfragen der politischen Bildung, politische Bildung an den Schnittstellen zu anderen Weiterbildungsbereichen, Professionalisierungs- und Strukturfragen der Weiterbildung sowie die Verbindung von Wissenschaft und Praxis.