Ideen einer radikalen Demokratiebildung
Werner Friedrichs, Lara Kierot,
Dirk Lange, Oliver Marchat (Hg.): Radikale Demokratiebildung. Postfundamentale Streifzüge. Wiesbaden (Springer VS) 2025,
287 S., 74,99 €
Der unübersichtliche Strauß an Konzepten politischer Bildung ist um eine Variante reicher – vielleicht sogar bunter. Dieser Sammelband beschäftigt sich mit der Idee einer radikalen Demokratiebildung, ihren theoretischen Bezügen sowie bildungstheoretischen Perspektiven und skizziert einige praktische Ansätze. Die Herausgeber*innen weisen darauf hin, dass kein umfassendes Konzept präsentiert wird, da dieses seine „Konturen“ (3) erst noch gewinnen müsse. Die Veröffentlichung umfasst 14 Beiträge, die in drei Abschnitte strukturiert sind. Der erste Abschnitt befasst sich mit begrifflichen Klärungen und theoretischen Suchbewegungen, der zweite mit bildungs- und subjekttheoretischen Reflexionen und der dritte unternimmt Streifzüge zum Demokratisch-Sein und Demokratisch-Werden.
Gesellschaftsdiagnostisch verweisen die Texte auf die gegenwärtige Polykrise. Im Hintergrund steht die These, „dass vertraute gesellschaftlich-demokratische Institutionen beziehungsweise Institutionalisierungen zunehmend ihre Tragfähigkeit verlieren“ (3). Die Überlegungen münden in der Forderung, dass die politische Bildung grundlegend neu ausgerichtet werden muss.
In seinem konzeptionellen Beitrag plädiert Werner Friedrichs dafür, radikale Demokratietheorie und Demokratiebildung unter der Überschrift „radikale Demokratiebildung” zusammenzudenken. Dafür spräche, dass der Terminus „radikale Demokratiebildung” in Diskursen von Praxis und Theorie bereits präsent sei und der Begriff „Demokratiebildung” zudem eine enorme Anziehungskraft im Feld habe. Er sieht die Chance, den inhaltlich-fachlichen Anspruch politischer Bildung mit den zivilgesellschaftlichen Ambitionen der Demokratieerziehung sowie den lebenspraktisch-kritischen Aspirationen von Demokratiebildung zusammenzuführen. Friedrichs versteht Demokratiebildung als übergreifenden Konsens- und Integrationsbegriff und ist überzeugt, dass sich damit bisherige Abgrenzungsbemühungen erledigen würden. Das Adjektiv „radikal” kennzeichne laut Friedrichs die Einbindung des Theorieprogramms der radikalen Demokratietheorie und des postfundamentalistischen Denkens und ermögliche eine Neuorientierung politischer Bildung, die die Logik vorliegender Konzepte wirklich überschreite (vgl. 12–18).
Da die Ansätze der radikalen Demokratietheorie für diesen Band grundlegend sind, werden in einem Zwischenschritt zentrale Positionen dieser Entwürfe knapp skizziert. Die Ansätze verfügen über keinen einheitlichen Korpus, sondern weisen eine Pluralität auf. Diese ist bspw. an den Namen Judith Butler, Cornelius Castoriadis, Jacques Rancière, Michel Foucault, Ernesto Laclau, Claude Lefort…
Weiterlesen mit JOURNAL+
Der Rezensent
Klaus Waldmann ist Diplom-Pädagoge und als freiberuflicher Coach tätig.