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Ezid*innen zwischen Selbstermächtigung und Gemeinschaft

Religiöse Sensibilität in einer pluralen Gesellschaft

Religiöse Vielfalt prägt das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland zunehmend. Für eine inklusive Demokratie ist die Berücksichtigung religiöser Perspektiven in der politischen Bildung unerlässlich. Die Sichtbarkeit und politische Teilhabe religiöser Minderheiten und die Förderung religiöser Kompetenz bleibt dabei eine zentrale Herausforderung.



In den letzten Jahrzehnten hat sich das religiöse Leben in Deutschland deutlich pluralisiert und individualisiert. Religiöse Akteur*innen haben aber keineswegs pauschal an Relevanz verloren. Vielmehr stellen sie bedeutende zivilgesellschaftliche Kräfte dar, deren Sichtbarkeit und Teilhabe – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen – politisch sogar von zunehmender Bedeutung sind. Sie haben selbst teil an den umgreifenden Transformationsprozessen und stehen vor der Herausforderung, diese produktiv mitzugestalten. Damit hängen Herausforderungen hinsichtlich der Begründung und Einbringung ethischer Gesichtspunkte zusammen (vgl. Ströbele/Eckstein 2024: 17–39).

Während Deutschland auf politischer Ebene inzwischen als Einwanderungsland anerkannt ist und interkulturelle Öffnung vielerorts vorangetrieben wurde, fehlt es an vielen Stellen immer noch an religionsbezogener Kompetenz. In einer Zeit, in der die verschiedenen gesellschaftlichen Funktionssysteme von kultureller und religiöser Vielfalt durchdrungen und weltweit Religionen mit globaler Wirkung präsent sind, ist es unabdingbar, den kompetenten Umgang mit kultureller und religiöser Vielfalt als unverzichtbare Dimension von Bildungsprozessen zu begreifen. Da der Umgang mit dieser Vielfalt die Grundbedingungen der Mitgestaltung des Gemeinwesens betrifft, gehören religiöse und interreligiöse Kompetenzen elementar auch ins Feld politischer Bildung. Das Bewusstsein um die Vielfalt religiöser Traditionen und deren komplexe Zusammenhänge sowie das Vermögen, mit dieser produktiv umzugehen, sind vielfach noch unterentwickelt. In einer multireligiösen Gesellschaft wie der unsrigen ist es daher dringend notwendig, (inter-)religiöse Kompetenz und konstruktives religions- und weltanschauungsübergreifendes Zusammenwirken stärker zu fördern. Angesichts der genannten kontextuellen Erfordernisse hat Demokratiebildung eine genuin interreligiöse Dimension. Konkret wird das Konzept einer interreligiösen Demokratiebildung gegenwärtig in verschiedenen Bildungsprojekten umgesetzt, an denen neben dem Träger der Eugen-Biser-Stiftung u.a. auch die Institutionen der Verfasser*innen dieses Beitrags beteiligt sind (vgl. https://www.eugen-biser-stiftung.de/themen/bildung/; Zinsmeister 2022). In diesem Sinne ist Religionssensibilität und religionsbezogene Bildung ein wesentlicher Bestandteil politischer Bildung. Ein solches Selbstverständnis ist auch in theologischer Perspektive begründbar und an Bedingungen zu orientieren, wie sie jüngst der „Schwerter Konsent“ für die…

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Die Autorin

Dr. Theresa Beilschmidt ist bei der Stiftung Weltethos in Tübingen tätig, wo sie unterschiedliche Angebote konzipiert und realisiert. Ihre Schwerpunkte sind inter­religiöser Dialog, die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und die Stärkung religiöser Diversität. Sie betreut u. a. ein Projekt, das Kommunen zum Aufbau von Räten der Religionen berät.

Der Autor

Dr. Christian Ströbele ist Leiter des Fachbereichs Inter­religiöser Dialog der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, an dem u.a. das Theologische Forum Christentum – ­Islam koordiniert wird. Zudem ist er Lehrbeauftragter an der Katholischen Hochschule Mainz. Seine Schwerpunkte sind Bedingungen religiöser Kommunikation und Kooperation in den pluralen Kontexten der späten Moderne.