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Demokratiebildung und ­politische Bildung – eine Verhältnis­bestimmung im Werden


Netzwerk Demokratiebildung und politische Bildung (Hg.): Demokratiebildung und politische Bildung. Baden-Baden (Nomos) 2026, 310 S., 84,00 €.


Unter dem Begriff der Demokratiebildung verfolgen verschiedene pädagogische Arbeitsfelder das Ziel, Menschen in ihrem Mündigwerden in einer demokratischen Gesellschaft zu fördern. Anders als in den frühen 2000er Jahren arbeiten die Disziplinen der Politikdi­daktik, Demokratie- und Sozialpädagogik an einem integrativen Verständnis, das die Vielgestaltigkeit von Demokratiebildung innerhalb und außerhalb der Schule anerkennt und wertschätzt. Der Band erscheint in einer Konjunktur, in der Demokratiebildung zum bildungs- und förderpolitischen Leitbegriff avanciert: Programme der Demokratieförderung und die Sorge um die Gefährdung der Demokratie haben den Begriff binnen weniger Jahre stark aufgeladen. Gerade deshalb ist das Vorhaben, hinter die Konjunktur zu treten und die begrifflichen Verhältnisse zu klären, zu begrüßen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Netzwerk „zur Bestimmung des Verhältnisses von Demokratiebildung und politischer Bildung“ um den Siegener Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften Alexander Wohnig hat es sich daher zum Ziel gesetzt, einen interdisziplinären Beitrag zur Klärung dieser Leerstellen zu leisten. Der Band ist ein kollaboratives Projekt der am Netzwerk beteiligten Kolleg*innen. Er spiegelt nicht nur die vielfältigen Diskurse der Beteiligten wider, sondern fungiert zugleich als umfassender Forschungsbericht, der die Entwicklung, Reflexion und kritische Auseinandersetzung mit zentralen Begriffen und Theorien dokumentiert. Die Einleitung beginnt mit einer Verhältnisbestimmung zwischen Demokratiebildung und politischer Bildung. Dabei wird nicht nur auf „Begriffsverwirrungen“ eingegangen, sondern es werden auch die erkenntnisleitenden Forschungsfragen des Netzwerkes herausgearbeitet.

In Kapitel 2 werden die demokratie- und bildungstheoretischen Bezugspunkte der Demokratiebildung erörtert. Die Fokussierung auf die deliberative Demokratie, die radikale Demokratietheorie und den Pragmatismus ist nachvollziehbar und wird in ihrer Rezeptions- und Wirkungsgeschichte dargestellt. Eine Begründung für diese Schwerpunktsetzung bleibt jedoch aus. Die schwer zu fassende Bestimmbarkeit des Bildungsbegriffs bildet sogleich den Anschlusspunkt, um die Bedeutung von „Bildung” herauszuarbeiten. Die Bezugnahme auf den US-amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey ist unausweichlich – und gelungen.

In welchem Verhältnis der (relativ) neue Begriff der Demokratiebildung zum (eher etablierten) Begriff der politischen Bildung steht, wird in Kapitel 3 aufgegriffen. Über die zentralen Bildungs- und Erziehungsinstitutionen des Kindes- und Jugendalters hinweg wird hier vor allem an einer Heuristik gearbeitet, um Gemeinsamkeiten und Differenzen von Demokratiebildung aus schulpädagogischer und…

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Rezensiert von

Dr. Susann Gessner, Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Philipps-Universität ­Marburg. Sie forscht u. a. zur schulischen politischen Bildung, zu bildungstheoretischen Grundlagen dieser und zu Demokratiebildung als schulische Querschnittsaufgabe.

Philipp Klingler, Studienreferendar an einer Berliner Gesamtschule und Doktorand an der Philipps-­Universität Marburg. Seine ­Arbeitsschwerpunkte sind u. a. Demokratiebildung und Lehrer­professionalität.