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Democratic Youth Work

Ein neuer Orientierungsrahmen für die Internationale Jugendarbeit

Demokratische Strukturen stehen zunehmend unter Druck. Jugendarbeit als Teil demokratischer Infrastruktur muss daher neu gedacht werden. Mit Democratic Youth Work wird ein normativer Rahmen formuliert, der Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit verbindet. Orientiert sich Internationale Jugendarbeit daran, kann sie einen wertvollen Beitrag zum New Democratic Pact for Europe leisten und Solidarität und demokratisches Empowerment grenzüberschreitend stärken.



Im Dezember 2025 trafen sich in Straßburg rund 80 Akteur*innen aus Praxis, Politik und Wissenschaft aus über 20 Ländern, um auf eine Entwicklung zu reagieren, die junge Menschen und Fachkräfte gleichermaßen herausfordert: die fortschreitende Erosion demokratischer Strukturen. Die Konferenz „Democracy in Action: Youth Work Matters!“ wurde damit zu einem Ort der Verständigung, an dem die Konsequenzen dieser Entwicklung für die Jugendarbeit neu ausgelotet wurden (IJAB 2026).

Die Ausgangslage beschrieb Staffan I. Lindberg, Direktor des V-Dem Instituts, in seiner Keynote zum Demokratiebericht 2025 deutlich: Seit zwei Jahrzehnten nehme die Zahl der Demokratien weltweit ab, und erstmals bestehe die Möglichkeit, dass junge Menschen keine freiere Zukunft erleben werden als ihre Eltern (Nord u. a. 2025). Diese Entwicklung wurde hierbei nicht als isoliertes Phänomen verstanden, sondern als Ausdruck eines globalen Trends, der sich in Polarisierung, veränderten Rahmenbedingungen und schrumpfenden Handlungsspielräumen zeigt und die Möglichkeiten junger Menschen zur Beteiligung und politischen Wirksamkeit spürbar einschränkt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach dem Beitrag der Jugendarbeit neu. Sie schafft Erfahrungszusammenhänge, in denen demokratische Praxis erlebbar wird, Perspektiven ausgehandelt und Formen solidarischen Handelns entwickelt werden. Gerade in ihrer internationalen Ausrichtung wird diese Funktion besonders sichtbar. Internationale Jugendarbeit setzt demokratiefeindlichen Tendenzen Grenzen übergreifende Erfahrungen des Miteinanders entgegen. Sie bringt junge Menschen aus unterschiedlichen Kontexten zusammen und eröffnet partizipative Lernorte für Perspektivwechsel, internationale Solidarität und Empowerment.


Demokratie unter Druck: Dimensionen der Erosion

Demokratischer Rückbau beginnt selten mit einem Bruch. Er vollzieht sich schleichend in kleinen Verschiebungen, die sich über die Zeit zu tiefgreifenden Veränderungen verdichten. Zunehmend werden die Handlungsspielräume von Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingeschränkt. Gerade hier werden die Folgen für die Jugendarbeit sichtbar. Berichte junger Aktivist*innen aus Belarus, Serbien und Georgien zeigten in Straßburg, dass autoritäre Tendenzen zwar unterschiedlich ausgeprägt sind, aber ähnlichen Mustern folgen: Zivilgesellschaftliche Organisationen geraten unter Druck,…

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Daniel Poli ist seit Oktober 2022 Direktor von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit e. V. in Bonn. Er hat Politikwissenschaft in Berlin studiert und setzt sich mit Themen und Projekten in den Bereichen Digitalisierung, Partizipation junger Menschen und Demokratiestärkung im Kontext der internationalen jugendpolitischen ­Zusammenarbeit auseinander.