Aktive Fredsreiser – Travel for Peace

Journal: Können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Helga Arntzen: Ich wurde 1942 in Heidelberg geboren. Aufgewachsen bin ich teilweise bei meiner Oma in Ost-Berlin. Nach dem Besuch der Volksschule habe ich im Alter ab vierzehn Jahren in Heidelberg eine dreijährige Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert. Während meiner Aufenthalte in Ost-Berlin bin ich mit dem politischen System in Berührung gekommen und wurde durch verschiedene Kräfte einer Gehirnwäsche unterzogen, also mit kommunistischem Gedankengut indoktriniert. Diese Beeinflussung war so wirksam, dass ich meine Mutter gemeldet habe, als sie in den Westen flüchten wollte. Glücklicherweise ist meiner Mutter nichts passiert, sie hätte im Stasi-Gefängnis landen können. Dass meine Meldung keinerlei Folgen für meine Mutter hatte, dafür bin ich ewig dankbar. Später flüchtete ich mit meiner Mutter in den Westen. Eigentlich sollte ich in einer Untergrundbewegung aktiv werden. Doch meine Erfahrungen mit der Gehirnwäsche in Ost-Berlin hielten mich von einer längeren Mitarbeit ab. Mir wurde bewusst, welchen Formen der Beeinflussung ich ausgesetzt gewesen war und entschied mich, nie in die Politik zu gehen, sondern mich lieber sozial zu engagieren. Mit meinem Mann, einem Norweger, der in Heidelberg Medizin studiert hat, bin ich 1965 nach Norwegen umgezogen. Seit Mitte der 1960er Jahr lebe ich also in Norwegen. Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen mit politischer Indoktrination wurde ich dort später gegen die immer stärker werdenden neonazistischen Gruppen aktiv.

Journal: Sie haben vor einigen Jahren die Organisation Aktive Fredsreiser – Travel for Peace gegründet. Was war der Anlass und was macht die Organisation? 

Helga Arntzen: Im Jahr 1992 gab es fast in jeder Stadt in Norwegen einen offiziell eingetragen neonazistischen Verein. Diese Vereine verzeichneten einen enormen Zulauf. Durch meine eigenen Erlebnisse in meinen jungen Jahren wusste ich, wie gefährlich diese Entwicklungen und die damit verbundenen politischen Einstellungen sind. Nach meiner Überzeugung ist der beste Schutz gegen dieses rechtsradikale politische Gift, Fahrten mit Schülerinnen und Schülern im Alter von ca. 15 Jahren zur historisch-politischen Bildung zu veranstalten. Der Gedanke war, dass die Schulklassen nach Auschwitz fahren müssen, um eine konkrete Vorstellung davon zu bekommen, welche grausamen und barbarischen Wirkungen der Rechtsradikalismus und das Böse entfalten können. Als ich diese Idee hatte, konnte ich mehrere Nächte nicht schlafen, denn ich befürchtete, dass eine solche Fahrt bei den Jugendlichen einen Hass auf Deutschland auslösen könnte. Deshalb habe ich das Programm einer 8-tägigen Fahrt entwickelt, das verschieden Elemente beinhaltet. Die Schülerinnen und Schüler besuchen an einem Tag die Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz und Birkenau und konfrontieren sich mit dem Bösen, in einer späteren…

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